Gestern hat Dolly Parton die Welt verlassen.
Mit steigendem Alter habe ich sie zunehmend schätzen gelernt — für ihre unbeirrbare Vision und ihren Tatendrang, und nicht zuletzt für ihre Musik.
Sie war eine Wegbereiterin für Frauen in der Musikindustrie und weit darüber hinaus, eine wahre generationsüberschreitende Ikone.
Für meinen Vater war sie die eine „Country-Sängerin mit der markanten Stimme", deren Lieder er kannte. Für mich wurde sie im Laufe der Zeit zu so viel mehr.
Ihr Struggle mit Endometriose war mir bis zuletzt nicht in vollem Umfang bewusst. Und doch ist dies ein Teil ihrer Geschichte, der sehr wohl mehr Aufmerksamkeit verdient: Dolly lebte mit Endometriose.
Anfang der 1980er-Jahre, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, litt sie unter starken Schmerzen und Blutungen und musste sich wiederholt gynäkologischen Behandlungen und chirurgischen Eingriffen unterziehen. Sie erhielt bereits damals (!) die Diagnose Endometriose und unterzog sich einer teilweisen Entfernung der Gebärmutter. Später sprach sie darüber, wie tiefgreifend diese Zeit ihre körperliche und seelische Gesundheit geprägt hat.
Man muss sich das Jahrzehnt vor Augen halten, in dem sich das alles abspielte. (Was uns zugleich zeigt: Endo gab es auch damals schon in all ihrer Wucht.)
Heute wissen wir, dass eine Hysterektomie keine Lösung für Endometriose ist. Bei bestimmten Formen der Adenomyose kann sie durchaus helfen, wenn die Gebärmutter die Hauptquelle der Schmerzen ist. Allerdings ist sie angesichts der zunehmenden wissenschaftlichen Evidenz im Hinblick auf immunologische, genetische und umweltbedingte Ursachen für Endometriose oft nur eine Maßnahme zur Symptomlinderung und hat mit einer Heilung definitiv nichts zu tun.
Zur damaligen Zeit gab es keinen Hashtag „Bewusstsein für Endometriose". Keine Social-Media-Community, in der man Symptome vergleichen konnte und sich über ChirurgInnen und ihre Kenntnisse austauschte. Kein weit verbreitetes Wissen darüber, dass selbst eine Hysterektomie Endometriose nicht zwangsläufig heilt. Unterleibsschmerzen von Frauen waren kaum ein Thema — oder wurden zumindest schnell abgetan, blieben meist im Privaten oder wurden generell verschwiegen.
Dolly sprach offen über ihre „Frauenprobleme": darüber, warum sie aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen konnte, über Operationen und über die schwerwiegenden emotionalen Folgen, darüber, was es für die mentale Gesundheit bedeutete, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren.
Gerade diesen letzten Aspekt kennen wir Endometriose-Patientinnen nur zu gut: den Glauben an die eigene Wahrnehmung zu verlieren. Zu erleben, wie das Vertrauen in den eigenen Körper nach und nach durch medizinisches Gaslighting zerschmettert wird.
Dolly legte all diese Aspekte offen und weigerte sich schlicht, so zu tun, als wäre nichts davon geschehen. Das machte sie zu einer ungewöhnlich frühen öffentlichen Stimme für eine düstere Realität, die Millionen von Frauen über lange Zeit weitgehend im Stillen durchlebten.
Hinter der voluminösen Haarpracht, den Strasssteinchen und dem Glitzer, hinter der sorgsam inszenierten Weiblichkeit stand letztlich eine Frau, die konsequent die Entscheidungsfreiheit über ihr Werk, ihr Image, ihren unternehmerischen Weg und ihre eigene Story behielt.
Bevor der Schmerzalltag von Frauen überhaupt sichtbar wurde, sprach Dolly Parton bereits über ihren.
Danke, Dolly. 🦋
